BRIGIDA ZUBERI

KONSTELLATIONEN

13. September bis 09. November 2019

Brigida Zuberis Interesse gilt den komplexen Prozessen des Erinnerns. Im Mittelpunkt ihrer Auseinandersetzung stehen sowohl individuelle Erfahrungen als auch kollektiv gedachte Vergangenheit. Diese steht für die Künstlerin aber genauso wenig fest wie die Zukunft, da sie immer nur in der Form des Erinnerns zugänglich ist und in einem engen Wechselverhältnis mit der Imagination steht. Bei Zuberi befindet sich jegliche Vergangenheit ununterbrochen in Bewegung und zeigt sich stets dynamisch, offen und fragil. Deshalb besitzt ihr Werk weder einen klassisch archivarischen Charakter, noch stellt sich die Künstlerin in die Dienste der Fama, des ewigen Nachruhms, indem sie an bedeutende Ereignisse und Taten erinnert. Zuberis Umgang mit der Vergangenheit ist ein transformatorischer. In der Wiederholung von

Vergangenem erzeugt sie Differenz. Angeleitet von Gerüchen, Geräuschen und gefundenen Objekten verknüpft sie bewusstes Erinnern mit dem Unbewussten und kreiert aus diesen «Erinnerungsräumen» – quer durch alle Medien hindurch – materielle Fragmente. Die Verflechtungen und Aushandlungen in Postmigrantischen Gesellschaften stellen weitere wichtige Themen in Zuberis Schaffen dar. Als Kind von «Gastarbajteri», die in den 70er Jahren nach Österreich kamen, hat sie sowohl einen anderen Blick auf das Ankunftsland ihrer Eltern – welches das Geburtsland der Künstlerin ist – wie auch ein anderes Verhältnis zu deren Herkunftsland. In diesen mehrfachen Bindungen, in diesem «an-mehreren-Orten-heimisch-Sein» – im Transkulturellen und in der Habitus-Hybridisierung – zeigt sich im Augenblick der Wiederholung der Unterschied zum Wiederholten. Anhand von autobiografisch aufgeladenem Material, wie Textilien, Bohnen, Haare, Zucker oder Gold, erzählt uns die Künstlerin nicht nur fragmentarische Geschichten über das «nicht-wirklich-Abschied-nehmen-können» von einem Ort und dem «nie-wirklich-Ankommen» an einem anderen; in der Wiederaneignung von Traditionen und Bräuchen gelingt ihr auch die Dekonstruktion von Zuschreibungen und Stereotypen. Dies zeigt sich auch in der Bearbeitung des gewählten Materials. Nichts ist so wie es scheint. Wir befinden uns stets irgendwo im Dazwischen. Auch wenn die Künstlerin Vergangenes mittels diverser Medien in die Gegenwart holt, werden wir als Rezipient_innen nicht dazu angehalten zu erkennen‚ «wie-es-denn-eigentlich-gewesen-ist». Die Frage nach «dem Ganzen» erweist sich in Bezug auf Zuberis Werke als methodisch aussichtslos. Es geht nicht darum die

Toten zu wecken und das vermeintlich Zerschlagene wieder zusammenzufügen. Hier werden Erinnerungen nicht additiv zu einer persönlichen Geschichte aneinandergereiht. Vielmehr sehen wir was es heissen kann, sich einer Erinnerung zu bemächtigen, wenn sie im Augenblick

einer Intrusion aufblitzt. Diese Fragmente werden von ihr immer wieder neu arrangiert und erzeugen als Konstellationen verschiedene Stimmungen. Mit dieser Methode vollzieht Brigida Zuberi einen Bruch mit der Ästhetik der Repräsentation und den ihr innewohnenden Ressentiments. Sie entlarvt gewaltsame Verkürzungen und die Illusion des Monokausalen in linearen Erzählungen.

— Jana Vanecek, Theoretikerin und Autorin

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